Paul(a) symbolisiert die drei Ebenen des Gehirns: Neokortex als DenkerIn (Paula und Paul), das limbische System/Zwischenhirn als Warnsystem (Leuchtturm) und das Stammhirn für die Überlebensfunktion (Reptil).

Ich nehme die Puppe in die Hand. Zu Beginn der „Vorführung“ ist die Seite der Kinder sichtbar – ich drehe sie hin und her, sodass mal der Junge Paul, mal das Mädchen Paula zu sehen ist. Egal wer von beiden da ist, sie halten dasselbe Zepter in der Hand. Diese Geste steht symbolisch dafür, dass die Kinder das eigene Leben leben – mit dem Recht auf unversehrtes und beschütztes Großwerden.

Mit einer schnellen Bewegung stülpe ich die grüne Hülle von unten nach oben und drehe die Puppe auf den Kopf. Die Kind-Seite ist verschwunden unter dem steifen Tuch – symbolisch dafür, dass der normale Handlungsspielraum eines Menschen durch das traumatische Ereignis außer Kraft gesetzt wird und die Kindseite erstarrt.

Normalerweise tut ein Leuchtturm seine Arbeit zuverlässig und stetig, er sorgt dafür, dass es auf dem Meer keinen Zusammenstoß gibt und alle Schiffe auf dem richtigen Weg bleiben – und im Notfall steht ein Leuchtturm auch als Alarm zur Verfügung. Das Reptil als wachsames Tier mit uraltgewachsenen Fähigkeiten ist in der Figur Paul(a) mit dem Leuchtturm zu einer Einheit verwachsen.

In dieser bedrohlichen Situation – die Hülle überstülpt die Kinder und zwingt sie zur Bewegungslosigkeit – kommen Leuchtturm und Reptil zum Vorschein und übernehmen gemeinsam die Führung. Sie sorgen dafür, dass alle Funktionen im Gehirn, die nicht lebensnotwendig sind, abgeschaltet werden (zum Beispiel die Verbindung zu unserem Verstand oder hier die DenkerIn, den Neokortex und die Fähigkeit, über den Hippokampus das Erlebte in einen Zusammenhang einzubetten).

Wenn sich die bedrohliche Situation auflöst, können die Kinder wieder zum Vorschein kommen. Und trotzdem kann es ihnen passieren, dass sie durch auslösende Reize wieder in dieselbe Situation wie zu Beginn zurückversetzt werden und unter der Hülle verschwinden müssen.