Fachliches vom Institut

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Entwickelt vom Institut Trauma und Pädagogik in Kooperation
mit den Schwestern vom Guten Hirten und einem Frauenprojekt in Thailand
 
  • Paul(a) - die pädagogisch-therapeutische WendepuppePaul(a) erklärt, was während einer Traumatisierung im Gehirn passiert und beschreibt das Trauma im Alltag, obwohl das auslösende Ereignis selbst schon lange vorbei ist.
  • Paul(a) symbolisiert die 3 Ebenen des Gehirns: Neokortex (Paula & Paul) als DenkerIn, das limbische System (Leuchtturm) als Warnsystem und das Stammhirn (Reptil) für die Überlebensfunktion.
  • Paul(a) ist konzipiert für PädagogInnen, (Trauma)-BeraterInnen, TherapeutInnen, SupervisorInnen und geeignet für die pädagogisch-therapeutische Arbeit mit Kindern & Erwachsenen.

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Was ist ein Trauma und wer ist Paul(a)?

Wer ist Paul(a)?

Auf den ersten Blick ist Paul(a) ist eine bunte, fröhlich aussehende Puppe. Aber wieso hat Paul(a) zwei Gesichter; ein Jungen- und ein Mädchengesicht? Und wieso hängen die Beine über einer Hülle? Wenn die Hülle nach oben gezogen und die Puppe gedreht wird, sieht sie plötzlich ganz anders aus: ein rot-weißer Leuchtturm kommt zum Vorschein, und daran klettert ein grünes Reptil mit gelben Punkten hoch.

Paul(a) ist eine Wendepuppe und jede der vier Figuren hat ihre individuelle Bedeutung!

In meiner pädagogischen Arbeit geht es immer wieder darum, lebensgeschichtliche Belastungen & Traumatisierung und damit die psychotraumatologischen und neurobiologischen Grundlagen und Folgen zu erklären. Deshalb ist Paul(a) konzipiert für PädagogInnen, (Trauma)-BeraterInnen, TherapeutInnen, SupervisorInnen und eignet sich außerdem für die pädagogisch-therapeutische Arbeit mit Kindern und Erwachsenen.

Die Idee zu Paul(a) ist 2012 geboren, die Puppe selbst wurde nach Entwickeln und Verwerfen mehrerer Prototypen Ende 2013 das erste Mal in größerer Stückzahl hergestellt. In Kooperation mit den Schwestern zum Guten Hirten wird Paul(a) in einem Frauenprojekt in Thailand genäht und hier in Deutschland über fairen Handel verkauft.

Wofür ist Paul(a) gemacht?

Paul(a) erklärt, was während einer Traumatisierung im Gehirn passiert und beschreibt das Trauma im Alltag, obwohl das auslösende Ereignis schon lange vorbei ist. Mithilfe von Paul(a) können die Abläufe im Gehirn bei einer extremen bzw. traumatischen Erfahrung erklärt werden: warum Menschen mit lebensgeschichtlicher Belastung manchmal wie in die damalige Situation zurück gezaubert werden, obwohl vordergründig keine Gefahr zu bestehen scheint. Paul(a) kann helfen, dass sich Menschen mit traumatischen Hintergrund durch die Erklärungen selbst besser verstehen.

Oft ist auch den Eltern, PädagogInnen, LehrerInnen und BetreuerInnen nicht klar, warum ein Kind mit lebensgeschichtlicher Belastung in bestimmten Situationen so reagiert, wie es reagiert. Paul(a) kann allen Beteiligten über Psychoedukation einen Schritt zur Selbstbemächtigung ermöglichen.
 

Wie wird Paul(a) eingesetzt? Eine kleine Praxisanleitung

Paul(a) symbolisiert die drei Ebenen des Gehirns: Neokortex als DenkerIn (Paula und Paul), das limbische System/Zwischenhirn als Warnsystem (Leuchtturm) und das Stammhirn für die Überlebensfunktion (Reptil).

Ich nehme die Puppe in die Hand. Zu Beginn der „Vorführung“ ist die Seite der Kinder sichtbar – ich drehe sie hin und her, sodass mal der Junge Paul, mal das Mädchen Paula zu sehen ist. Egal wer von beiden da ist, sie halten dasselbe Zepter in der Hand. Diese Geste steht symbolisch dafür, dass die Kinder das eigene Leben leben – mit dem Recht auf unversehrtes und beschütztes Großwerden.

Mit einer schnellen Bewegung stülpe ich die grüne Hülle von unten nach oben und drehe die Puppe auf den Kopf. Die Kind-Seite ist verschwunden unter dem steifen Tuch – symbolisch dafür, dass der normale Handlungsspielraum eines Menschen durch das traumatische Ereignis außer Kraft gesetzt wird und die Kindseite erstarrt.

Normalerweise tut ein Leuchtturm seine Arbeit zuverlässig und stetig, er sorgt dafür, dass es auf dem Meer keinen Zusammenstoß gibt und alle Schiffe auf dem richtigen Weg bleiben – und im Notfall steht ein Leuchtturm auch als Alarm zur Verfügung. Das Reptil als wachsames Tier mit uraltgewachsenen Fähigkeiten ist in der Figur Paul(a) mit dem Leuchtturm zu einer Einheit verwachsen.

In dieser bedrohlichen Situation – die Hülle überstülpt die Kinder und zwingt sie zur Bewegungslosigkeit – kommen Leuchtturm und Reptil zum Vorschein und übernehmen gemeinsam die Führung. Sie sorgen dafür, dass alle Funktionen im Gehirn, die nicht lebensnotwendig sind, abgeschaltet werden (zum Beispiel die Verbindung zu unserem Verstand oder hier die DenkerIn, den Neokortex und die Fähigkeit, über den Hippokampus das Erlebte in einen Zusammenhang einzubetten).

Wenn sich die bedrohliche Situation auflöst, können die Kinder wieder zum Vorschein kommen. Und trotzdem kann es ihnen passieren, dass sie durch auslösende Reize wieder in dieselbe Situation wie zu Beginn zurückversetzt werden und unter der Hülle verschwinden müssen.
 

Paul(a) – neurobiologisch übersetzt

Nach der praktischen Beschreibung von Paul(a) möchte ich nun in die neurobiologischen Hintergründe dazu einsteigen und drei wichtige Zusammenhänge des Gehirns beschreiben:

Die Funktion des Gehirns in alltäglichen Situationen, wenn es im „Normalprogramm“ arbeitet.

Die Funktion des Gehirns, wenn eine Situation traumatisch, also extrem belastend ist und die menschliche Norm überschreitet und damit das „Notprogramm“ in Aktion tritt.

Die Funktion des Notprogramms zu Zeiten, die von außen betrachtet gar nicht bedrohlich sind: hier geht es um den Zusammenhang zwischen der damaligen Notfallreaktion – auch der früheren Traumatisierung – und dem heutigen Geschehen.
 

Was ist das dreieinige Gehirn? (nach Paul MacLean)

Das Gehirn besteht aus integralen Bereichen, die im Normalfall gut zusammenarbeiten.

Der Neokortex (Frontalhirn) steht für das Denken im weitesten Sinne (bewusstes und unbewusstes Lernen), für den Verstand, das logische Denken, Rationales und Willkürliches, die Sprache und für das Lösen von Problemen.

Das Limbische System (Zwischenhirn, Riechhirn) ist zuständig für die Emotionen und das Gedächtnis. Darin ist der Hippocampus eine Art Zwischenspeicher und auch dafür zuständig, dass wir Geschehenes räumlich und zeitlich einordnen können und es episotisch (narrativ) wiedergeben können. Die Amygdala (Mandelkern) ist das Alarmzentrum und zuständig für schnelle Reaktionen bei Gefahr.

Das Stammhirn (Reptilienhirn) wird als ältester Teil im Hirn definiert. Es ist für das Überleben und die unbewussten Dingen sowie für die Instinkte und Reflexe zuständig. Es reguliert die Grundlagen des Daseins (Schlaf, Herz- Kreislauf, Appetit, Atmung, Verdauung usw.). Im Notfall stellt es die notwendige Energie für Kampf oder Flucht bereit.

Im Normalprogramm sind die drei Bereich fließend miteinander verbunden, ohne dass uns dies besonders bewusst wäre. Über den Thalamus kommen Unmengen von Sinneseindrücken in das Limbische System, im Hypocampus werden diese so zwischengespeichert, dass wir sie räumlich und zeitlich einordnen können – und in Zusammenarbeit mit dem Neokortex werden die Ereignisse zu einem zusammenhängenden Ereignis und später abrufbar gespeichert.

Wenn große Gefahr droht, wird das Notprogramm aktiviert, die Amygdala schickt Informationen an das Stammhirn, damit überlebensnotwendige Energien für Kampf und Flucht zur Verfügung gestellt werden. Das Notprogramm ist immer verbunden mit Hilflosigkeits- und Ohnmachtsempfinden und führt zum Erstarren. Im Notprogramm wird die räumliche und zeitliche Einordnung und der sensorische Impuls, der das Geschehen zu einem zusammenhängenden Ereignis und später abrufbarer Erinnerung ermöglicht, außer Kraft gesetzt. Auch die Versprachlichung und die Fähigkeit der Kontextualisierung des Erlebten gelingt nur unzureichend. Stattdessen findet eine fragmentierte Speicherung des Erlebten statt, eine Art Splitterbildung im Gedächtnis.

Der Zusammenhang zwischen der Gefahr von früher und den heutigen Reaktionen:

Die neuronalen Verschaltungsmuster und synaptischen Netzwerke, die in einem solchen Schockzustand bzw. in der Situation der Traumatisierung gleichzeitig aktiviert werden, werden außerordentlich fest miteinander verknüpft. Als Folge wird in späteren Zeiten durch Schlüsselreize (Trigger) das gesamte, aneinander gekoppelte Muster abgerufen und aktiviert. (nach Hebb, 1949)

Das bedeutet: Menschen, die in einem früheren Lebensabschnitt ein traumatisches Ereignis oder lebensgeschichtliche Belastungen erlebt haben, können durch Trigger an diese Situation erinnert werden. Dabei handelt es sich nicht um ein übliches Erinnern, sondern durch den Schlüsselreiz initiiertes „wieder in die Situation von früher hinein“ versetzt werden. Der Trigger ist wie ein Türöffner für die Welt von früher. Er kann eine Stimme, eine Berührung, ein Geruch oder eine ähnliche Situation sein. Es kann aber auch eine hilflose, überfordernde oder angstmachende, unsichere Situation sein, die dann ebenfalls das Muster von damals auslöst. Im Körper kann das gesamte aneinander gekoppelte Muster von damals aktiviert werden (Flashbacks).

Kinder versuchen diese Aktivierung auf vielfältige Weise zu vermeiden. Sie bilden Strategien der Verdrängung, Abspaltung (z.B. Dissoziation), Ablenkung oder Aufregung. Alle genutzten Strategien werden zu erfolgreichen Überlebensstrategien. Im Gehirn erfolgt als „Belohnung“ eine Dopaminausschüttung, die zu positivem Fühlen führt. Je häufiger die Überlebensstrategien aktiviert werden, desto mehr werden sie im Gehirn als Lösung gebahnt. Die Bedrohung, dass das belastende, traumatisierende Ereignis aufgerufen wird, löst aus, dass Kinder Vieles dafür tun, damit dies nicht geschieht. Sie vermeiden häufig Situationen, die sie in einen sich ähnlichen anfühlenden Stress bringen oder sie dissoziieren in Situationen, in denen sie überfordert sind.

 

Praxis-Beispiele

Die Geschichte mit Leon: Wie funktioniert das Normal- und das Notprogramm?

Leon hat bis er dreieinhalb Jahre alt war mit seiner psychisch kranken Mutter gelebt. Sie konnte ihm nicht die regelmäßige emotionale Zuwendung und manchmal auch nicht genug Nahrung geben. Leon war noch zu klein und hilflos und in diesen Situationen hat sein Körper (sprich: sein Gehirn) immer wieder das Notprogramm aktivieren müssen. Dies war für sein Überleben existentiell wichtig.

Später kam er erst in eine Bereitschaftspflegefamilie und dann noch in eine Klinik. Fast fünfjährig kam er in die Gruppe, in der er jetzt auch noch lebt und in der er sowohl kontinuierliche Zuwendung wie auch regelmäßiges Essen bekommt.

Leons Körper hat gelernt, dass er in Situationen, die ihn an die frühere Not erinnern könnten, „abschaltet“. Er dissoziiert und geht bei Gefahr nach Innen weg: er nimmt die Außenwelt nicht mehr wahr und schützt sich auch vor dem Wiedererleben. Manchmal vermeidet er auch Situationen, die ihn an damals erinnern könnten: zum Beispiel möchte er nicht bei Freunden übernachten, weil er nicht weiß, wann dessen Familie was zu Abend isst – und ob es dort genug zu essen für ihn gibt. Das passiert alles ganz unbewusst, ohne dass Leon das so beschreiben könnte.

Außerdem ist es in der Schule, oft nach der großen Pause, für Leon auch notwendig, dass er „nach Innen abhaut“. Er ruht sich sozusagen ein bisschen aus, weil ihn die große Pause immer wieder besonders stresst. In der Pause steht er alleine am Schulhofrand und weiß nicht, wie er es bewerkstelligen kann, dass er mit seinen Klassenkameraden Fußball spielen darf. Er fühlt sich wieder ähnlich einsam wie damals, er will so gerne dazu gehören und schafft es nicht.
Das Gefühl des Alleinseins ist in diesem Moment der Trigger, der das Notprogramm anschaltet: entweder erlebt Leon wieder die Situation von früher – oder er schaltet ab, indem er dissoziiert. In beiden Fällen bekommt er dann nicht mit, dass Herr Meier, der Mathelehrer, nach der Pause den Test für morgen ankündigt. Oder Frau Schmitz, die Klassenlehrerin, nach der Pause darum bittet, dass die Kinder morgen fünf Euro für den Ausflug mitbringen sollen.
Später, wenn Leons Notprogramm sich beruhigt hat, taucht er mit seinem Bewusstsein wieder auf, er ist wieder ganz da und kann dem Unterricht folgen. Er weiß leider nicht, dass er etwas verpasst hat und Mathelehrer oder Klassenlehrerin haben auch nicht mitbekommen, dass Leon gar nicht wirklich anwesend war. Er saß ja auf seinem Stuhl, nur dass er etwas verträumt schaute, aber das tut Leon ja öfters. Der Ärger oder der schlechte Mathetest ist damit vorprogrammiert, denn schon zu oft hat er Dinge „vergessen“, die er erledigen sollte und Mathe ist Leons schlechtestes Fach.

Nachmittags nach einem blöden Tag in der Schule setzt sich ein Betreuer aus der Heimgruppe zu Leon und erklärt ihm wie Leon bei innerem Stress reagiert. Das ist wichtig für Leon, weil er sich selbst nicht versteht und es ihn zusätzlich durcheinander macht, wenn er spürt, dass er anders ist als andere Kinder und er sich das nicht erklären kann. Leon denkt sogar, dass er dumm ist, obwohl die Erwachsenen oft sagen, dass er ein kluger, pfiffiger Junge sei. Manchmal macht er sich Sorgen, dass er auch krank ist, wie seine leibliche Mutter. Aber Leon ist weder doof, noch dumm, noch ein Alien – sein Verhalten hat einen guten Grund. Sein Körper reagiert auf eine bestimmte Situation wie früher, als er ein Kleinkind war. Oder es werden seine Überlebensstrategien angeregt, in diesen Situationen die Führung zu übernehmen.

Der Betreuer nimmt die Wendepuppe Paul(a) in die Hand und stellt Leon den Jungen namens Paul (den Denker) vor. Paul hat ein Zepter in der Hand. Das heisst, Paul steuert sich selbst, spürt sich und ist mit seiner Aufmerksamkeit ganz da. Außerdem kann er besonders gut denken, denn Paul steht für den Teil im Gehirn, der dafür zuständig ist. So geht es auch Leon ganz oft, wenn er keinen inneren Stress hat, zum Beispiel nachmittags, wenn er in seinem Zimmer spielt.
Unter der Hülle von Paul ist der Leuchtturm und das Gecko versteckt. Paul und auch Leon nehmen beides gar nicht bewusst war, wenn der Denker mit dem Zepter in der Hand regiert. Alles funktioniert und beide können sogar Mathe ganz gut folgen, sich an aktuelle Dinge gut erinnern, lachen oder sich streiten – es sind eben ganz normale Jungen.

Wenn Leon in Stress kommt, weil er zum Beispiel Angst hat, bei seinem Freund zu übernachten oder weil er unbewusst Angst hat, nicht genug zu Essen zu bekommen oder weil er alleine am Pausenhofrand steht und das Gefühl hat, nicht dazu zu gehören, dann springt sein Notfallprogramm an.
Der Betreuer nimmt die Puppe, stülpt mit einer schnellen Bewegung die Hülle über den Jungen und zum Vorschein kommt der Leuchtturm mit einem Gecko. Der Leuchtturm ist der Teil in seinem Gehirn, der für Alarm steht. Dieser wird aktiv, wenn Leons Körper sich bewusst oder unbewusst an etwas Belastendes von früher erinnert. Der Körper sagt dann „Angst!“ oder „Vorsicht!“ und schützt Leon, damit er das nicht mehr fühlen muss. Das funktioniert, indem Leuchtturm und Gecko das Zepter in die Hand nehmen und Paul (=Leon), den Denker abschalten (oder hier unter der Hülle verstecken).
Damals passiert der Zustand, als es ihm ganz schlecht ging, weil er zu lange großen Hunger hatte und ganz alleine war. Heute passiert das, weil Leons Körper das Gefühl von Jetzt-Stress mit dem alten Gefühl von Angst in Verbindung bringt. Leons (=Pauls) Leuchtturm und Gecko übernehmen die Führung automatisch, ohne dass er es bewusst merkt oder etwas dagegen tun kann. Bei Leon bedeutet das oft, dass er „nach innen abhaut“ und so weit weg ist, dass er nicht mitbekommt, was „draußen“ besprochen wird oder passiert. Erst wenn sein Körper wieder „sicherer“ ist und sich das Gefühl von damals wieder beruhigt hat, kann Paul, der Denker wieder auftauchen und das Zepter übernehmen. Leon weiß nicht, dass er eine zeitlang nicht das Zepter hatte und selbst unter der Hülle verschwunden war.

Der Betreuer kann Leon mit der Puppe zeigen, wie sein Gehirn ihn schützt, wenn er in Stress kommt. Und Leon kann sehen, dass der Teil, der alles erinnert und der Denker ist, dann nicht die Führung hat und unter der Hülle verschwunden war.
Wie kann sich Leon an die fünf Euro oder den Mathetest erinnern, wenn der „Denker“ in ihm gerade unter der Hülle verschwunden ist und Leuchtturm und Gecko die Führung haben? Das ist schön zu sehen, wenn der Betreuer immer wieder die Puppe dreht und mit Leon sich Situationen anschaut, wo er, der „Denker“ das Zepter in der Hand hat und die anderen Teile in ihm, die für Gefühl, Sprache, Speicherung von Informationen und Vieles mehr zuständig ist, im Stillen funktionieren. Und auch die andere Situation, wenn „Paul, der Denker“ verschwindet und der Alarm mit dem lebenswichtigen Funktionen (das Gecko) das Zepter in der Hand hat.

Für Leon ist besonders wichtig zu verstehen, dass der Wechsel und somit das „Notprogramm“ mit früher zusammen hängt und der Körper ihn schützen will, auch wenn er heute den Schutz gar nicht mehr in der Form braucht.

Gemeinsam können der Betreuer und Paul Schritt für Schritt überlegen, was er tun kann, um weniger in diese Situationen zu kommen bzw. wie er es schaffen kann, „da“ zu bleiben.

Die Geschichte mit Lea: Wie wirken Bewältigungs- und Überlebensstrategien im Alltag?

Leas Mutter war 16 Jahre alt, als sie schwanger wurde. Ihr Vater war deutlich älter und gegenüber ihrer schwangeren Mutter immer wieder gewalttätig. Ihre Mutter wollte unbedingt eine Beziehung mit ihrem Vater behalten und hat deshalb Lea direkt nach der Geburt abgegeben. Kurz bevor Lea in ihre jetzige Familie kam, überlegte es sich ihre leibliche Mutter noch einmal und nahm sie für drei Wochen zu sich in die Mutter-Kind-Einrichtung, in der sie damals lebte. Als es doch nicht ging, kam Lea in die Bereitschaftsfamilie, bis eine passende Pflegefamilie für sie gefunden wurde. In der Bereitschaftsfamilie und auch später in ihrer Pflegefamilie bekam Lea alles, was sie brauchte, um sich körperlich und seelisch gut zu entwickeln.

Lea ist inzwischen 11 Jahre alt. Sie hat immer noch Angst vor (körperlicher) Nähe und kann es nicht gut aushalten, wenn es besonders gut ist und alle sich freuen. In ihrer Familie fühlt sie sich oft wie am Rande, manchmal auch nicht richtig dazu gehörend, obwohl ihre Pflegeeltern sie bereits in den ersten Tagen fest ins Herz geschlossen haben und beständig lieben. Lea besucht seit kurzem die Realschule und ist in zwei Vereinen aktiv. Sie hat keine „richtige“ Freundin, aber viele Bekannte. Immer wenn sie mal bei der Familie ihrer Handballfreundin war, bei der es sehr herzlich und laut zu geht, ist beim nach hause kommen der Druck der Pflegemutter weh zu tun, besonders stark. Sie hat dann Impulsdurchbrüche und beschimpft ihre Pflegemutter wüst und grob.

Die Pflegemutter macht sich Sorgen, weil das Verhalten immer schlimmer wird und sie nicht versteht, warum Lea nach all den Jahren immer noch so unsicher in der Familie ist. Die Beraterin der Pflegefamilie erklärt der Pflegemutter in einem Gespräch, was das Gehirn bei einer Traumatisierung macht. Denn Trauma kennt keine Zeit!

Es ist wichtig, dass die Pflegemutter weiß, dass seelische Verletzungen, wie Lea sie erlebt hat, existentiell waren und dass sie vermutlich schon pränatal und als Säugling Traumatisierungen erlebt hat, die bis heute sich auf Leas Verhaltensweisen auswirken.

Die Beraterin nimmt die Puppe Paul(a) und zeigt der Pflegemutter die Seite mit dem Mädchen. Das Mädchen Paula steht für die Denkerin und den Neokortex im Gehirn. Normalerweise ist dieser Teil auch schon bei sehr kleinen Kindern aktiv und hat das Zepter in der Hand. Das heißt, ein sicher gebundenes Kind fühlt, dass Menschen verlässlich und gut zu ihm sind. Es hat eine Vorstellung davon, dass die Welt sinnvoll und geordnet ist und es körperlich unversehrt groß werden darf. Das Kind hat dann eine positive Selbstsicht und eine positive Selbstwahrnehmung.

Lea hat ihre Mutter nicht als verlässlich erlebt und konnte nicht mit der Gewissheit aufwachsen, dass sie mit den basalen wichtigen Dingen gut versorgt wird. Um die seelischen Verletzungen zu überleben, hat bei Lea schon sehr früh das Notprogramm wirken müssen. Nur durch das Notprogramm konnte Lea überhaupt überleben und bei ihr war bis sie zur Pflegefamilie kam, das Notprogramm wie das Normalprogramm: Lea musste immer in Alarmbereitschaft sein um das was kommt, zu überleben.

Die Beraterin dreht jetzt die Puppe auf den Kopf, Paula ist unter der Hülle verschwunden und wir sehen den Leuchtturm und das Gecko. Leas Organismus hat immer wieder im Fluchtreflex reagiert, sie hat laut geweint und irgendwann war sie auch still, weil ihr Weinen kein Gehör bei der leiblichen Mutter finden konnte. Wenn ein Körper in Alarmbereitschaft geht, wird der ganze Organismus auf Kampf oder Flucht vorbereitet. Die Atmung beschleunigt sich, der Blutdruck geht hoch, die Pupillen werden weit, die Verdauung wird eingestellt, das Immunsystem runtergefahren: alles ist bereit. Gleichzeitig entlädt der Körper immer wieder, fährt ganz zurück. Dieser Prozess passiert in schneller Geschwindigkeit hoch und runter und man spricht von einer Unter- und einer Überkoppelung.
Lea hat gelernt, entweder extrem geöffnet oder extrem dicht zu sein – das normale Mittelmaß ist ihr eher fremd. Während der Alarmbereitschaft sorgen Hormone wie Adrenalin dafür, dass Lea ganz mobil ist, gleichzeitig nicht so viel körperlichen Schmerz spürte – und sie auch nur einen Teil ihrer Umwelt sehen kann, wie in einem Tunnelblick.
Lea war noch zu klein um sich erinnern zu können, aber selbst wenn sie älter gewesen wäre: beim Notprogramm wird der Neokortex abgekoppelt, oft auch der Hippocampus, der wie ein Arbeitsspreicher dafür sorgt, dass wir uns das Erlebte narrativ einordnen, episodisch wiedergeben und in einen zeitlichen Ablauf bringen können. Dazu ist der Hippocampus normalerweise in guter Verbindung mit dem Sprachzentrum. Beim Notprogramm, wenn der Leuchtturm und das Gecko die Führung übernehmen, wird alles deaktiviert, was in diesem Moment nicht gebraucht wird. Es ist äußerste Gefahr – deshalb ist der Neokortex unter der Hülle verschwunden.

Der Leuchtturm steht für die Amygdala, die den Alarm auslöst und in Verbindung mit dem Gecko alles für das Überleben tut. Dort wird auch das Geschehene gespeichert, nur ganz anders als normalerweise. Es wird fragmentiert gespeichert, in vielen einzelnen Bruchstücken und er ist auch nicht in einer Abfolge festgehalten, sondern zeitlos nebeneinander stehend. Oft ist auch das Sprachzentrum abgekoppelt, so dass es keine Worte für das Geschehene gibt.

Wenn Lea wieder zu Hause ankommt und längere Zeit sich sehr zusammen nehmen muss, wirkt die Pflegemutter wie ein Ventil, an dem sich Leas Stau entlädt. Das ist für Lea und ihre Pflegemutter sehr anstrengend. Ganz oft sagt Lea später, wenn sie sich wieder versöhnt haben, dass sie die Pflegemutter ja gar nicht meint, aber dann gar nicht anders kann.

Die Beraterin ist fest davon überzeugt, dass Lea immer mit gutem Grund handelt und nicht, weil sie die Pflegemutter bewusst ärgern will. Ihr Verhalten zeigt, dass sie massiv überfordert ist, wenn sie zum Beispiel „die Welten wechselt“.

Wenn Leas (Paulas) Notprogramm sich wieder beruhigt hat, kann die Puppe wieder zurückdrehen und Paula, das Puppenmädchen übernimmt wieder das Zepter für ihr Leben. Unter der Hülle funktioniert das Normalprogramm wieder im Unbewussten und Lea hat wieder das Zepter ihres Lebens in der Hand.

Beraterin und Pflegemutter können mit Hilfe der Wendepuppe Neurobiologie und die Funktionsweise des vegetativen Nervensystems ins alltägliche Leben mit Lea übersetzen und damit der Pflegemutter helfen, Leas Verhalten besser zu verstehen. Mit Hilfe der Puppe könnten die beiden Ideen entwickeln, wann, durch was und wie das Notprogramm (die Überlebensstrategien) bei Lea aktiviert werden. Daraus könnten sie entwickeln, was Lea konkret helfen könnte und damit auch die das ohnmächtige Gefühl und die Hilflosigkeit der Pflegemutter verändern.
 

Danke!

Danke an Rendel Freude fürs Mitdenken und Lektorat, Geduld und Unterstützung neben der Entwicklung des grafischen Designs. Danke auch an das Fachgremium für komplex traumatisierte Kinder und Jugendliche (in den Kreisen Düren und Euskirchen) für die Rückmeldungen zur Gestaltung und hier besonderen Dank Anne Keßeler, die einen Prototyp genäht hat, damit die Schwestern aus Thailand und Amsterdam besser und sichtbar verstehen, was wir wollen. Besonderen Dank an Frau Schrade vom Guten Hirten für die gute Zusammenarbeit, die in ausdauernder Arbeit den Prozess der Entstehung von Paula und Paul in ihrer Institution begleitet hat.

Die Fotografin Rendel Freude war im Frauenprojekt in Bangkok, Thailand  > hier die Bilder ansehen

Wer ist Paul(a)?

Auf den ersten Blick ist Paul(a) ist eine bunte, fröhlich aussehende Puppe. Aber wieso hat Paul(a) zwei Gesichter; ein Jungen- und ein Mädchengesicht? Und wieso hängen die Beine über einer Hülle? Wenn die Hülle nach oben gezogen und die Puppe gedreht wird, sieht sie plötzlich ganz anders aus: ein rot-weißer Leuchtturm kommt zum Vorschein, und daran klettert ein grünes Reptil mit gelben Punkten hoch.

Paul(a) ist eine Wendepuppe und jede der vier Figuren hat ihre individuelle Bedeutung!

In meiner pädagogischen Arbeit geht es immer wieder darum, lebensgeschichtliche Belastungen & Traumatisierung und damit die psychotraumatologischen und neurobiologischen Grundlagen und Folgen zu erklären. Deshalb ist Paul(a) konzipiert für PädagogInnen, (Trauma)-BeraterInnen, TherapeutInnen, SupervisorInnen und eignet sich außerdem für die pädagogisch-therapeutische Arbeit mit Kindern und Erwachsenen.

Die Idee zu Paul(a) ist 2012 geboren, die Puppe selbst wurde nach Entwickeln und Verwerfen mehrerer Prototypen Ende 2013 das erste Mal in größerer Stückzahl hergestellt. In Kooperation mit den Schwestern zum Guten Hirten wird Paul(a) in einem Frauenprojekt in Thailand genäht und hier in Deutschland über fairen Handel verkauft.

Paul(a) erklärt, was während einer Traumatisierung im Gehirn passiert und beschreibt das Trauma im Alltag, obwohl das auslösende Ereignis schon lange vorbei ist. Mithilfe von Paul(a) können die Abläufe im Gehirn bei einer extremen bzw. traumatischen Erfahrung erklärt werden: warum Menschen mit lebensgeschichtlicher Belastung manchmal wie in die damalige Situation zurück gezaubert werden, obwohl vordergründig keine Gefahr zu bestehen scheint. Paul(a) kann helfen, dass sich Menschen mit traumatischen Hintergrund durch die Erklärungen selbst besser verstehen.

Oft ist auch den Eltern, PädagogInnen, LehrerInnen und BetreuerInnen nicht klar, warum ein Kind mit lebensgeschichtlicher Belastung in bestimmten Situationen so reagiert, wie es reagiert. Paul(a) kann allen Beteiligten über Psychoedukation einen Schritt zur Selbstbemächtigung ermöglichen.
 

Paul(a) symbolisiert die drei Ebenen des Gehirns: Neokortex als DenkerIn (Paula und Paul), das limbische System/Zwischenhirn als Warnsystem (Leuchtturm) und das Stammhirn für die Überlebensfunktion (Reptil).

Ich nehme die Puppe in die Hand. Zu Beginn der „Vorführung“ ist die Seite der Kinder sichtbar – ich drehe sie hin und her, sodass mal der Junge Paul, mal das Mädchen Paula zu sehen ist. Egal wer von beiden da ist, sie halten dasselbe Zepter in der Hand. Diese Geste steht symbolisch dafür, dass die Kinder das eigene Leben leben – mit dem Recht auf unversehrtes und beschütztes Großwerden.

Mit einer schnellen Bewegung stülpe ich die grüne Hülle von unten nach oben und drehe die Puppe auf den Kopf. Die Kind-Seite ist verschwunden unter dem steifen Tuch – symbolisch dafür, dass der normale Handlungsspielraum eines Menschen durch das traumatische Ereignis außer Kraft gesetzt wird und die Kindseite erstarrt.

Normalerweise tut ein Leuchtturm seine Arbeit zuverlässig und stetig, er sorgt dafür, dass es auf dem Meer keinen Zusammenstoß gibt und alle Schiffe auf dem richtigen Weg bleiben – und im Notfall steht ein Leuchtturm auch als Alarm zur Verfügung. Das Reptil als wachsames Tier mit uraltgewachsenen Fähigkeiten ist in der Figur Paul(a) mit dem Leuchtturm zu einer Einheit verwachsen.

In dieser bedrohlichen Situation – die Hülle überstülpt die Kinder und zwingt sie zur Bewegungslosigkeit – kommen Leuchtturm und Reptil zum Vorschein und übernehmen gemeinsam die Führung. Sie sorgen dafür, dass alle Funktionen im Gehirn, die nicht lebensnotwendig sind, abgeschaltet werden (zum Beispiel die Verbindung zu unserem Verstand oder hier die DenkerIn, den Neokortex und die Fähigkeit, über den Hippokampus das Erlebte in einen Zusammenhang einzubetten).

Wenn sich die bedrohliche Situation auflöst, können die Kinder wieder zum Vorschein kommen. Und trotzdem kann es ihnen passieren, dass sie durch auslösende Reize wieder in dieselbe Situation wie zu Beginn zurückversetzt werden und unter der Hülle verschwinden müssen.
 

Nach der praktischen Beschreibung von Paul(a) möchte ich nun in die neurobiologischen Hintergründe dazu einsteigen und drei wichtige Zusammenhänge des Gehirns beschreiben:

Die Funktion des Gehirns in alltäglichen Situationen, wenn es im „Normalprogramm“ arbeitet.

Die Funktion des Gehirns, wenn eine Situation traumatisch, also extrem belastend ist und die menschliche Norm überschreitet und damit das „Notprogramm“ in Aktion tritt.

Die Funktion des Notprogramms zu Zeiten, die von außen betrachtet gar nicht bedrohlich sind: hier geht es um den Zusammenhang zwischen der damaligen Notfallreaktion – auch der früheren Traumatisierung – und dem heutigen Geschehen.
 

Das Gehirn besteht aus integralen Bereichen, die im Normalfall gut zusammenarbeiten.

Der Neokortex (Frontalhirn) steht für das Denken im weitesten Sinne (bewusstes und unbewusstes Lernen), für den Verstand, das logische Denken, Rationales und Willkürliches, die Sprache und für das Lösen von Problemen.

Das Limbische System (Zwischenhirn, Riechhirn) ist zuständig für die Emotionen und das Gedächtnis. Darin ist der Hippocampus eine Art Zwischenspeicher und auch dafür zuständig, dass wir Geschehenes räumlich und zeitlich einordnen können und es episotisch (narrativ) wiedergeben können. Die Amygdala (Mandelkern) ist das Alarmzentrum und zuständig für schnelle Reaktionen bei Gefahr.

Das Stammhirn (Reptilienhirn) wird als ältester Teil im Hirn definiert. Es ist für das Überleben und die unbewussten Dingen sowie für die Instinkte und Reflexe zuständig. Es reguliert die Grundlagen des Daseins (Schlaf, Herz- Kreislauf, Appetit, Atmung, Verdauung usw.). Im Notfall stellt es die notwendige Energie für Kampf oder Flucht bereit.

Im Normalprogramm sind die drei Bereich fließend miteinander verbunden, ohne dass uns dies besonders bewusst wäre. Über den Thalamus kommen Unmengen von Sinneseindrücken in das Limbische System, im Hypocampus werden diese so zwischengespeichert, dass wir sie räumlich und zeitlich einordnen können – und in Zusammenarbeit mit dem Neokortex werden die Ereignisse zu einem zusammenhängenden Ereignis und später abrufbar gespeichert.

Wenn große Gefahr droht, wird das Notprogramm aktiviert, die Amygdala schickt Informationen an das Stammhirn, damit überlebensnotwendige Energien für Kampf und Flucht zur Verfügung gestellt werden. Das Notprogramm ist immer verbunden mit Hilflosigkeits- und Ohnmachtsempfinden und führt zum Erstarren. Im Notprogramm wird die räumliche und zeitliche Einordnung und der sensorische Impuls, der das Geschehen zu einem zusammenhängenden Ereignis und später abrufbarer Erinnerung ermöglicht, außer Kraft gesetzt. Auch die Versprachlichung und die Fähigkeit der Kontextualisierung des Erlebten gelingt nur unzureichend. Stattdessen findet eine fragmentierte Speicherung des Erlebten statt, eine Art Splitterbildung im Gedächtnis.

Der Zusammenhang zwischen der Gefahr von früher und den heutigen Reaktionen:

Die neuronalen Verschaltungsmuster und synaptischen Netzwerke, die in einem solchen Schockzustand bzw. in der Situation der Traumatisierung gleichzeitig aktiviert werden, werden außerordentlich fest miteinander verknüpft. Als Folge wird in späteren Zeiten durch Schlüsselreize (Trigger) das gesamte, aneinander gekoppelte Muster abgerufen und aktiviert. (nach Hebb, 1949)

Das bedeutet: Menschen, die in einem früheren Lebensabschnitt ein traumatisches Ereignis oder lebensgeschichtliche Belastungen erlebt haben, können durch Trigger an diese Situation erinnert werden. Dabei handelt es sich nicht um ein übliches Erinnern, sondern durch den Schlüsselreiz initiiertes „wieder in die Situation von früher hinein“ versetzt werden. Der Trigger ist wie ein Türöffner für die Welt von früher. Er kann eine Stimme, eine Berührung, ein Geruch oder eine ähnliche Situation sein. Es kann aber auch eine hilflose, überfordernde oder angstmachende, unsichere Situation sein, die dann ebenfalls das Muster von damals auslöst. Im Körper kann das gesamte aneinander gekoppelte Muster von damals aktiviert werden (Flashbacks).

Kinder versuchen diese Aktivierung auf vielfältige Weise zu vermeiden. Sie bilden Strategien der Verdrängung, Abspaltung (z.B. Dissoziation), Ablenkung oder Aufregung. Alle genutzten Strategien werden zu erfolgreichen Überlebensstrategien. Im Gehirn erfolgt als „Belohnung“ eine Dopaminausschüttung, die zu positivem Fühlen führt. Je häufiger die Überlebensstrategien aktiviert werden, desto mehr werden sie im Gehirn als Lösung gebahnt. Die Bedrohung, dass das belastende, traumatisierende Ereignis aufgerufen wird, löst aus, dass Kinder Vieles dafür tun, damit dies nicht geschieht. Sie vermeiden häufig Situationen, die sie in einen sich ähnlichen anfühlenden Stress bringen oder sie dissoziieren in Situationen, in denen sie überfordert sind.

 

Die Geschichte mit Leon: Wie funktioniert das Normal- und das Notprogramm?

Leon hat bis er dreieinhalb Jahre alt war mit seiner psychisch kranken Mutter gelebt. Sie konnte ihm nicht die regelmäßige emotionale Zuwendung und manchmal auch nicht genug Nahrung geben. Leon war noch zu klein und hilflos und in diesen Situationen hat sein Körper (sprich: sein Gehirn) immer wieder das Notprogramm aktivieren müssen. Dies war für sein Überleben existentiell wichtig.

Später kam er erst in eine Bereitschaftspflegefamilie und dann noch in eine Klinik. Fast fünfjährig kam er in die Gruppe, in der er jetzt auch noch lebt und in der er sowohl kontinuierliche Zuwendung wie auch regelmäßiges Essen bekommt.

Leons Körper hat gelernt, dass er in Situationen, die ihn an die frühere Not erinnern könnten, „abschaltet“. Er dissoziiert und geht bei Gefahr nach Innen weg: er nimmt die Außenwelt nicht mehr wahr und schützt sich auch vor dem Wiedererleben. Manchmal vermeidet er auch Situationen, die ihn an damals erinnern könnten: zum Beispiel möchte er nicht bei Freunden übernachten, weil er nicht weiß, wann dessen Familie was zu Abend isst – und ob es dort genug zu essen für ihn gibt. Das passiert alles ganz unbewusst, ohne dass Leon das so beschreiben könnte.

Außerdem ist es in der Schule, oft nach der großen Pause, für Leon auch notwendig, dass er „nach Innen abhaut“. Er ruht sich sozusagen ein bisschen aus, weil ihn die große Pause immer wieder besonders stresst. In der Pause steht er alleine am Schulhofrand und weiß nicht, wie er es bewerkstelligen kann, dass er mit seinen Klassenkameraden Fußball spielen darf. Er fühlt sich wieder ähnlich einsam wie damals, er will so gerne dazu gehören und schafft es nicht.
Das Gefühl des Alleinseins ist in diesem Moment der Trigger, der das Notprogramm anschaltet: entweder erlebt Leon wieder die Situation von früher – oder er schaltet ab, indem er dissoziiert. In beiden Fällen bekommt er dann nicht mit, dass Herr Meier, der Mathelehrer, nach der Pause den Test für morgen ankündigt. Oder Frau Schmitz, die Klassenlehrerin, nach der Pause darum bittet, dass die Kinder morgen fünf Euro für den Ausflug mitbringen sollen.
Später, wenn Leons Notprogramm sich beruhigt hat, taucht er mit seinem Bewusstsein wieder auf, er ist wieder ganz da und kann dem Unterricht folgen. Er weiß leider nicht, dass er etwas verpasst hat und Mathelehrer oder Klassenlehrerin haben auch nicht mitbekommen, dass Leon gar nicht wirklich anwesend war. Er saß ja auf seinem Stuhl, nur dass er etwas verträumt schaute, aber das tut Leon ja öfters. Der Ärger oder der schlechte Mathetest ist damit vorprogrammiert, denn schon zu oft hat er Dinge „vergessen“, die er erledigen sollte und Mathe ist Leons schlechtestes Fach.

Nachmittags nach einem blöden Tag in der Schule setzt sich ein Betreuer aus der Heimgruppe zu Leon und erklärt ihm wie Leon bei innerem Stress reagiert. Das ist wichtig für Leon, weil er sich selbst nicht versteht und es ihn zusätzlich durcheinander macht, wenn er spürt, dass er anders ist als andere Kinder und er sich das nicht erklären kann. Leon denkt sogar, dass er dumm ist, obwohl die Erwachsenen oft sagen, dass er ein kluger, pfiffiger Junge sei. Manchmal macht er sich Sorgen, dass er auch krank ist, wie seine leibliche Mutter. Aber Leon ist weder doof, noch dumm, noch ein Alien – sein Verhalten hat einen guten Grund. Sein Körper reagiert auf eine bestimmte Situation wie früher, als er ein Kleinkind war. Oder es werden seine Überlebensstrategien angeregt, in diesen Situationen die Führung zu übernehmen.

Der Betreuer nimmt die Wendepuppe Paul(a) in die Hand und stellt Leon den Jungen namens Paul (den Denker) vor. Paul hat ein Zepter in der Hand. Das heisst, Paul steuert sich selbst, spürt sich und ist mit seiner Aufmerksamkeit ganz da. Außerdem kann er besonders gut denken, denn Paul steht für den Teil im Gehirn, der dafür zuständig ist. So geht es auch Leon ganz oft, wenn er keinen inneren Stress hat, zum Beispiel nachmittags, wenn er in seinem Zimmer spielt.
Unter der Hülle von Paul ist der Leuchtturm und das Gecko versteckt. Paul und auch Leon nehmen beides gar nicht bewusst war, wenn der Denker mit dem Zepter in der Hand regiert. Alles funktioniert und beide können sogar Mathe ganz gut folgen, sich an aktuelle Dinge gut erinnern, lachen oder sich streiten – es sind eben ganz normale Jungen.

Wenn Leon in Stress kommt, weil er zum Beispiel Angst hat, bei seinem Freund zu übernachten oder weil er unbewusst Angst hat, nicht genug zu Essen zu bekommen oder weil er alleine am Pausenhofrand steht und das Gefühl hat, nicht dazu zu gehören, dann springt sein Notfallprogramm an.
Der Betreuer nimmt die Puppe, stülpt mit einer schnellen Bewegung die Hülle über den Jungen und zum Vorschein kommt der Leuchtturm mit einem Gecko. Der Leuchtturm ist der Teil in seinem Gehirn, der für Alarm steht. Dieser wird aktiv, wenn Leons Körper sich bewusst oder unbewusst an etwas Belastendes von früher erinnert. Der Körper sagt dann „Angst!“ oder „Vorsicht!“ und schützt Leon, damit er das nicht mehr fühlen muss. Das funktioniert, indem Leuchtturm und Gecko das Zepter in die Hand nehmen und Paul (=Leon), den Denker abschalten (oder hier unter der Hülle verstecken).
Damals passiert der Zustand, als es ihm ganz schlecht ging, weil er zu lange großen Hunger hatte und ganz alleine war. Heute passiert das, weil Leons Körper das Gefühl von Jetzt-Stress mit dem alten Gefühl von Angst in Verbindung bringt. Leons (=Pauls) Leuchtturm und Gecko übernehmen die Führung automatisch, ohne dass er es bewusst merkt oder etwas dagegen tun kann. Bei Leon bedeutet das oft, dass er „nach innen abhaut“ und so weit weg ist, dass er nicht mitbekommt, was „draußen“ besprochen wird oder passiert. Erst wenn sein Körper wieder „sicherer“ ist und sich das Gefühl von damals wieder beruhigt hat, kann Paul, der Denker wieder auftauchen und das Zepter übernehmen. Leon weiß nicht, dass er eine zeitlang nicht das Zepter hatte und selbst unter der Hülle verschwunden war.

Der Betreuer kann Leon mit der Puppe zeigen, wie sein Gehirn ihn schützt, wenn er in Stress kommt. Und Leon kann sehen, dass der Teil, der alles erinnert und der Denker ist, dann nicht die Führung hat und unter der Hülle verschwunden war.
Wie kann sich Leon an die fünf Euro oder den Mathetest erinnern, wenn der „Denker“ in ihm gerade unter der Hülle verschwunden ist und Leuchtturm und Gecko die Führung haben? Das ist schön zu sehen, wenn der Betreuer immer wieder die Puppe dreht und mit Leon sich Situationen anschaut, wo er, der „Denker“ das Zepter in der Hand hat und die anderen Teile in ihm, die für Gefühl, Sprache, Speicherung von Informationen und Vieles mehr zuständig ist, im Stillen funktionieren. Und auch die andere Situation, wenn „Paul, der Denker“ verschwindet und der Alarm mit dem lebenswichtigen Funktionen (das Gecko) das Zepter in der Hand hat.

Für Leon ist besonders wichtig zu verstehen, dass der Wechsel und somit das „Notprogramm“ mit früher zusammen hängt und der Körper ihn schützen will, auch wenn er heute den Schutz gar nicht mehr in der Form braucht.

Gemeinsam können der Betreuer und Paul Schritt für Schritt überlegen, was er tun kann, um weniger in diese Situationen zu kommen bzw. wie er es schaffen kann, „da“ zu bleiben.

Leas Mutter war 16 Jahre alt, als sie schwanger wurde. Ihr Vater war deutlich älter und gegenüber ihrer schwangeren Mutter immer wieder gewalttätig. Ihre Mutter wollte unbedingt eine Beziehung mit ihrem Vater behalten und hat deshalb Lea direkt nach der Geburt abgegeben. Kurz bevor Lea in ihre jetzige Familie kam, überlegte es sich ihre leibliche Mutter noch einmal und nahm sie für drei Wochen zu sich in die Mutter-Kind-Einrichtung, in der sie damals lebte. Als es doch nicht ging, kam Lea in die Bereitschaftsfamilie, bis eine passende Pflegefamilie für sie gefunden wurde. In der Bereitschaftsfamilie und auch später in ihrer Pflegefamilie bekam Lea alles, was sie brauchte, um sich körperlich und seelisch gut zu entwickeln.

Lea ist inzwischen 11 Jahre alt. Sie hat immer noch Angst vor (körperlicher) Nähe und kann es nicht gut aushalten, wenn es besonders gut ist und alle sich freuen. In ihrer Familie fühlt sie sich oft wie am Rande, manchmal auch nicht richtig dazu gehörend, obwohl ihre Pflegeeltern sie bereits in den ersten Tagen fest ins Herz geschlossen haben und beständig lieben. Lea besucht seit kurzem die Realschule und ist in zwei Vereinen aktiv. Sie hat keine „richtige“ Freundin, aber viele Bekannte. Immer wenn sie mal bei der Familie ihrer Handballfreundin war, bei der es sehr herzlich und laut zu geht, ist beim nach hause kommen der Druck der Pflegemutter weh zu tun, besonders stark. Sie hat dann Impulsdurchbrüche und beschimpft ihre Pflegemutter wüst und grob.

Die Pflegemutter macht sich Sorgen, weil das Verhalten immer schlimmer wird und sie nicht versteht, warum Lea nach all den Jahren immer noch so unsicher in der Familie ist. Die Beraterin der Pflegefamilie erklärt der Pflegemutter in einem Gespräch, was das Gehirn bei einer Traumatisierung macht. Denn Trauma kennt keine Zeit!

Es ist wichtig, dass die Pflegemutter weiß, dass seelische Verletzungen, wie Lea sie erlebt hat, existentiell waren und dass sie vermutlich schon pränatal und als Säugling Traumatisierungen erlebt hat, die bis heute sich auf Leas Verhaltensweisen auswirken.

Die Beraterin nimmt die Puppe Paul(a) und zeigt der Pflegemutter die Seite mit dem Mädchen. Das Mädchen Paula steht für die Denkerin und den Neokortex im Gehirn. Normalerweise ist dieser Teil auch schon bei sehr kleinen Kindern aktiv und hat das Zepter in der Hand. Das heißt, ein sicher gebundenes Kind fühlt, dass Menschen verlässlich und gut zu ihm sind. Es hat eine Vorstellung davon, dass die Welt sinnvoll und geordnet ist und es körperlich unversehrt groß werden darf. Das Kind hat dann eine positive Selbstsicht und eine positive Selbstwahrnehmung.

Lea hat ihre Mutter nicht als verlässlich erlebt und konnte nicht mit der Gewissheit aufwachsen, dass sie mit den basalen wichtigen Dingen gut versorgt wird. Um die seelischen Verletzungen zu überleben, hat bei Lea schon sehr früh das Notprogramm wirken müssen. Nur durch das Notprogramm konnte Lea überhaupt überleben und bei ihr war bis sie zur Pflegefamilie kam, das Notprogramm wie das Normalprogramm: Lea musste immer in Alarmbereitschaft sein um das was kommt, zu überleben.

Die Beraterin dreht jetzt die Puppe auf den Kopf, Paula ist unter der Hülle verschwunden und wir sehen den Leuchtturm und das Gecko. Leas Organismus hat immer wieder im Fluchtreflex reagiert, sie hat laut geweint und irgendwann war sie auch still, weil ihr Weinen kein Gehör bei der leiblichen Mutter finden konnte. Wenn ein Körper in Alarmbereitschaft geht, wird der ganze Organismus auf Kampf oder Flucht vorbereitet. Die Atmung beschleunigt sich, der Blutdruck geht hoch, die Pupillen werden weit, die Verdauung wird eingestellt, das Immunsystem runtergefahren: alles ist bereit. Gleichzeitig entlädt der Körper immer wieder, fährt ganz zurück. Dieser Prozess passiert in schneller Geschwindigkeit hoch und runter und man spricht von einer Unter- und einer Überkoppelung.
Lea hat gelernt, entweder extrem geöffnet oder extrem dicht zu sein – das normale Mittelmaß ist ihr eher fremd. Während der Alarmbereitschaft sorgen Hormone wie Adrenalin dafür, dass Lea ganz mobil ist, gleichzeitig nicht so viel körperlichen Schmerz spürte – und sie auch nur einen Teil ihrer Umwelt sehen kann, wie in einem Tunnelblick.
Lea war noch zu klein um sich erinnern zu können, aber selbst wenn sie älter gewesen wäre: beim Notprogramm wird der Neokortex abgekoppelt, oft auch der Hippocampus, der wie ein Arbeitsspreicher dafür sorgt, dass wir uns das Erlebte narrativ einordnen, episodisch wiedergeben und in einen zeitlichen Ablauf bringen können. Dazu ist der Hippocampus normalerweise in guter Verbindung mit dem Sprachzentrum. Beim Notprogramm, wenn der Leuchtturm und das Gecko die Führung übernehmen, wird alles deaktiviert, was in diesem Moment nicht gebraucht wird. Es ist äußerste Gefahr – deshalb ist der Neokortex unter der Hülle verschwunden.

Der Leuchtturm steht für die Amygdala, die den Alarm auslöst und in Verbindung mit dem Gecko alles für das Überleben tut. Dort wird auch das Geschehene gespeichert, nur ganz anders als normalerweise. Es wird fragmentiert gespeichert, in vielen einzelnen Bruchstücken und er ist auch nicht in einer Abfolge festgehalten, sondern zeitlos nebeneinander stehend. Oft ist auch das Sprachzentrum abgekoppelt, so dass es keine Worte für das Geschehene gibt.

Wenn Lea wieder zu Hause ankommt und längere Zeit sich sehr zusammen nehmen muss, wirkt die Pflegemutter wie ein Ventil, an dem sich Leas Stau entlädt. Das ist für Lea und ihre Pflegemutter sehr anstrengend. Ganz oft sagt Lea später, wenn sie sich wieder versöhnt haben, dass sie die Pflegemutter ja gar nicht meint, aber dann gar nicht anders kann.

Die Beraterin ist fest davon überzeugt, dass Lea immer mit gutem Grund handelt und nicht, weil sie die Pflegemutter bewusst ärgern will. Ihr Verhalten zeigt, dass sie massiv überfordert ist, wenn sie zum Beispiel „die Welten wechselt“.

Wenn Leas (Paulas) Notprogramm sich wieder beruhigt hat, kann die Puppe wieder zurückdrehen und Paula, das Puppenmädchen übernimmt wieder das Zepter für ihr Leben. Unter der Hülle funktioniert das Normalprogramm wieder im Unbewussten und Lea hat wieder das Zepter ihres Lebens in der Hand.

Beraterin und Pflegemutter können mit Hilfe der Wendepuppe Neurobiologie und die Funktionsweise des vegetativen Nervensystems ins alltägliche Leben mit Lea übersetzen und damit der Pflegemutter helfen, Leas Verhalten besser zu verstehen. Mit Hilfe der Puppe könnten die beiden Ideen entwickeln, wann, durch was und wie das Notprogramm (die Überlebensstrategien) bei Lea aktiviert werden. Daraus könnten sie entwickeln, was Lea konkret helfen könnte und damit auch die das ohnmächtige Gefühl und die Hilflosigkeit der Pflegemutter verändern.
 

Danke an Rendel Freude fürs Mitdenken und Lektorat, Geduld und Unterstützung neben der Entwicklung des grafischen Designs. Danke auch an das Fachgremium für komplex traumatisierte Kinder und Jugendliche (in den Kreisen Düren und Euskirchen) für die Rückmeldungen zur Gestaltung und hier besonderen Dank Anne Keßeler, die einen Prototyp genäht hat, damit die Schwestern aus Thailand und Amsterdam besser und sichtbar verstehen, was wir wollen. Besonderen Dank an Frau Schrade vom Guten Hirten für die gute Zusammenarbeit, die in ausdauernder Arbeit den Prozess der Entstehung von Paula und Paul in ihrer Institution begleitet hat.

Anregungen zu Corona-Zeiten

 

Veröffentlichungen

 

 

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Dieser Artikel richtet sich an Alle, die durch die aktuelle Situation verunsichert sind. Wir veröffentlichen diesen Text über das Institut an die vielen Menschen, die bei uns bisher ausgebildet wurden. Für euch sind es bekannte Inhalte, die erinnern helfen, wie ihr euch gut stabilisieren könnt. Die Anregungen sind bewusst so geschrieben, dass sie auch für Nicht-Fachmenschen* verständlich sind. Also gebt den Text gerne weiter an Jugendliche und Erwachsene, mit denen ihr arbeitet. Mit Kindern könnt ihr die dafür passenden Inhalte im Gespräch altersgerecht übersetzen. Und darüber hinaus darf der Artikel an eure FreundInnen, Familien, NachbarInnen, alle Anderen .... gerne weitergeleitet werden. Möge er helfen, zu sichern und zu stabilisieren!

Dieser Virus trifft Alles – von China ausgehend nach Europa und in die gesamte Welt – in einer Heftigkeit, dass wir diese Zeit als Naturkatastrophe der modernen Art einstufen können. Eine Naturkatastrophe (zur Zeit des Coronavirus) ist eine gesellschaftliche, gesundheitliche und wirtschaftliche Umwälzung von so bedrohendem Ausmaß, dass sie für Viele tief erschütternde und traumatisierende Konsequenzen hat. Das können Erfahrungen im gesundheitlich/medizinischen Bereich, wirtschaftliche Katastrophen oder retraumatisiernde Auswirkungen sein.
Der Virus verursacht eine real medizinische, vorsorgliche, wirtschaftliche, organisatorische Ebene, mit der du vielleicht gerade viel zu tun hast. Daneben gibt es eine psychosoziale Ebene, die du gleichwohl bedenken kannst, weil sie dir hilft, dich zu stabilisieren – und sie dir ein Stück innere Sicherheit geben kann.

Dieser Artikel spart die den Virus direkt betreffenden Themen – und die Welt der Fakten dazu – aus und richtet den Blick auf die seelische Stabilisierung von Menschen in herausfordernden Zeiten. In Kürze veröffentlichen wir über die Homepage konkrete Stabilisierungsübungen (auch auf der Website, also immer mal wieder vorbeischauen).

Die basalen Dinge des Lebens

Die Pflege der basalen Bedürfnisse, also gut für dich zu sorgen, ist stabilisierend. In herausfordernden Zeiten ist es besonders wichtig, dich regelmäßig und gut zu ernähren, viel zu trinken, auf Alkohol zu verzichten bzw. ihn deutlich zu reduzieren, ausreichend zu schlafen und dich möglichst viel zu bewegen. Gerade die körperliche Bewegung verhindert Erstarren und Eingefrieren, wirkt positiv gegen depressive Verstimmungen und aktiviert die Abwehr. Regelmäßiges – am besten tägliches – schnelles Spazieren, Walken, Joggen, Radfahren und für Zuhause Yoga- oder Pilatesübungen oder Krafttraining aktivieren und wirken der Lähmung sowie des­truktiven Gedanken entgegen und unterstützen deinen guten Schlaf.

Einen weitestgehend sicheren Ort schaffen

Sich sicher zu fühlen, ist beruhigend und stabilisierend. In Zeiten, die dich verunsichern, ist es um so hilfreicher, dass du dich damit beschäftigst, wo du dich räumlich sicher fühlst. Das ist der Aspekt der äußeren Sicherheit. Vielleicht ist dein Zuhause ein sicherer Ort für dich? Vielleicht erlebst du deinen Garten oder bei einem vertrauten Spaziergang dieses „sicheres“ Gefühl? Vielleicht ist es auch nur ein Teil in deinem Zuhause, wie zum Beispiel in deinem Zimmer oder deinem Bett? Beschäftige dich für ein paar Minuten damit, wo du dich sicher fühlst. Hier kannst du überlegen: Wie fühle ich die Sicherheit? Was konkret macht den Ort für mich sicher? Wo und wie im Körper spüre ich, dass ich mich sicher fühle? Was ist dann zu fühlen und was ist dann gerade nicht da? Welche Gefühle habe ich dabei? Wie ist dabei mein Atem, meine Körperspannung, meine Stimmung?

Neben dem äußeren gibt es auch den inneren Sicheren Ort. Mit dem inneren Sicheren Ort bist du mehr unabhängig und kannst dich mit Kraft deiner Vorstellung an einen nur für dich spür- und erreichbaren Ort gehen. Das ist für Menschen, die sich an dem Ort, an dem sie leben, nicht sicher fühlen, besonders wichtig. Mithilfe von Imagination, also der Vorstellung davon, kannst du dir kleine Auszeiten gönnen, die dir gut tun. Und du kannst dich dadurch mit deiner Kraft verbinden. Wir werden eine Anleitung zum inneren Sicheren Ort (in Anlehnung an Luise Reddemann) mit in die Stabilisierungsübungen aufnehmen, so kannst du dir den Ort selbst imaginieren.

Über das Ereignis sprechen

Bei einer Akuttraumatisierung ist – neben der Versorgung der basalen Bedürfnisse wie Sicherheit, Nahrung, Bewegung, Wärmeregulation – für die meisten Menschen hilfreich, häufig über das Ereignis zu sprechen, denn damit kann das überwältigende Ereignis realisiert und bestenfalls auch integriert werden.

In Krisengebieten (z.B. nach dem Tsunami), praktizieren TherapeutInnen Ähnliches, wenn sie mit großen Menschengruppen Debriefings durchführen. Sie sprechen mit den Betroffenen über das Erlebte, lassen erzählen und weinen, sie trösten und lassen Worte für das finden, was erlebt wurde. Was beim Debriefing auch passiert, ist das Miteinander (er-)leben. Es ist das Teilen der Erfahrung und die Gemeinschaft, die stabilisierend wirken.

Und es wird aktiv etwas miteinander getan: kochen, essen, spielen, singen, gemeinsame Körperübungen und bewusste Beschäftigung mit anderen Dingen, die nichts mit der Katastrophe zu tun haben, um zu einem späteren Zeitpunkt wieder über das Unfassbare zu reden ....

Über das Coronavirus und die Situation drumherum wird pausenlos gesprochen, ob in den Nachrichten, im Supermarkt, mit Familien und FreundInnen, den NachbarInnen, in allen Bezügen und ständig. Die Gespräche beinhalten den Teil der Realisierung, der das Unfassbare beschreibt. Sie beinhalten jedoch auch häufig die Wiederholung der gehörten, gelesenen, gesehenen Informationen von Regierungsseite, RKI und von vielen anderen, auch unklaren News. Das Wiederholen dieser „Fakten“ ist begrenzt hilfreich und nur sinnvoll zur Information zum Stand der politischen Entscheidungen und gesundheitlichen Auswirkungen.

Es ist (fast) eine Vermeidungsreaktion, wenn du nur auf diese Weise über die Bedrohung und Auswirkungen des Virus sprichst. Im traumasensiblen Sinne ist weit mehr damit gemeint, wenn wir sagen, dass es hilft, oft über das Ereignis zu sprechen. Dabei ist vor allem wichtig, über deine eigenen Gedanken und Gefühle, dein persönliches Erleben, die gefühlte Bedrohung/Belastung und deine Ängste und Hilflosigkeit zu sprechen. Es ist ein großer Unterschied, denn dann sind wir bei uns selbst und unserer Erschütterung, unseren Ängsten und unserem Fühlen. Darüber zu sprechen bedeutet, das eigene Erleben mit jemandem zu teilen und sich damit weniger alleine zu fühlen.

Bewusst entscheiden, wieviel Zeit du dich am Tag mit Corona beschäftigst

Es ist sinnvoll, bewusst zu entscheiden, wie viele Nachrichten wir am Tag zu dem Thema hören oder lesen. Gut informiert sein bedeutet nicht, sich rund um die Uhr oder konditioniert damit zu beschäftigen, sondern gezielt und bewusst Informationen aufzunehmen – und sich danach bewusst wieder mit anderen Themen zu beschäftigen.
Der Sog, sich permanent mit der Katastrophe zu beschäftigen, ob gedanklich oder real über Nachrichten, Gespräche, soziale Netzwerke etc., ist sehr groß und wirkt dann auch entsprechend allumfassend in uns weiter.

Und auch: es ist eine typische Reaktion bei erschütternden Erfahrungen. Wichtig sind deshalb Unterbrechungen vom Thema, Pausen und bewusstes anderes Tun und Denken. Damit ist es möglich, wieder innere Distanz zu gewinnen.

Bewusst mit der Aufmerksamkeit anwesend bleiben

Wenn Menschen im Stress und verunsichert sind, gehen sie oftmals mit der Aufmerksamkeit weg, träumen vor sich hin, sodass sie garnichts mehr von der Umgebung mitbekommen, trennen sich von ihren Gefühlen ab oder spüren den Körper (oder Teile vom Körper) nicht mehr. Fachlich wird das als Dissoziation bezeichnet.

Beim Dissoziieren beamen wir uns weg aus dem Hier und Jetzt. Mit Substanzen, die benebeln wie Alkohol oder bei exzessivem Spielen am Computer ist das ähnlich. Wichtig ist: es kommt auf das Maß an und darauf, dass du die Kontrolle über dein bewusst „da bleiben“ hälst.

Dissoziieren oder sich häufig benebeln und „ausschalten“ sind keine günstigen Strategien zur Bewältigung der Situation, auch dann nicht, wenn es sich vielleicht gut für dich anfühlt.

Es ist gerade in herausfordernden Zeiten wichtig, ganz aufmerksam im Hier und Jetzt zu bleiben, sich selbst wahrzunehmen und nicht bis in die unendliche Zukunft zu schauen.

Sich im Hier und Jetzt orientieren

Eine Orientierung im Hier und Jetzt ist eine hilfreiche Gegenbewegung zu den aufkommenden Zukunftsängsten, die zu diesem Zeitpunkt meist noch nicht einschätzbar sind. Das Fokussieren auf den Moment hilft sehr, den großen Berg in kleine Hügel zu verwandeln. Den realen Moment können wir meist überblicken und einsortieren. Außerdem können wir im Hier und Jetzt auch den Fokus auf die vorhandenen schönen Erlebnisse richten. Die Frühlingssonne, die Kraft der Natur, die sich mit Macht ins Jahr blüht, die Vögel die zwitschern, Kraniche, die in den Norden fliegen, all das sind Momente, für die wir kaum Aufwand brauchen, um sie wahrzunehmen.

Nährende, schöne Dinge als Gegenbewegung

Hilfreich ist bewusstes Hinschauen, was dich selbst trägt und dir Freude ins Herz bringt. Dies ist eine Gegenbewegung zur destruktiven, einschränkenden Energie durch die Bedrohung und Einschränkung durch das Virus.

Schau, was für kleine Dinge dich nähren und deine Stimmung heben! Meine Beispiele waren aus der Natur, darüber hinaus schaue auf allen Ebenen, was dir helfen kann. Das ist individuell mit dir selbst verbunden und kann im spirituellen Bereich sein, wenn du dich mit der Kraft des Größeren verbindest und wenn du meditierst, oder Singen, Musik hören, im Garten arbeiten, zu Hause Yoga machen, einen schönen Film sehen oder ein Buch lesen, das schon lange auf dich wartet, einen Brief an eine FreundIn schreiben (wie lange ist das her, seit du den letzten Brief geschrieben hast?), ein Gedicht lesen oder selbst schreiben, die Winterkleider weiter hinten in den Schrank räumen und die Frühlingssachen rausholen ...

Es ist vielleicht auch hilfreich, dich mit deinen Fähigkeiten, Stärken und Talenten zu beschäftigen. In der Traumapädagogik arbeiten wir mit dem Ressourcenrad, einer Übung, die dir deine eigenen Ressourcen, Fähigkeiten, Talente und Begabungen sichtbar macht und im Folgeartikel mit anderen stabilisierenden Übungen beschrieben wird.

Die frei gewordene Zeit nutzen

Viele haben jetzt mehr Zeit als sonst im Alltag und können diese mit Dingen füllen, die sonst keinen Platz haben. Das ist ein weit kraftvolleres Tun, als sich pausenlos mit dem Virus und seinen Auswirkungen zu beschäftigen – und eine resilienzfördernde Gegenbewegung!

In Verbindung bleiben

Trauma ist verbunden mit Einsamkeit, Rückzug, isoliert sein. In der Traumapädagogik sprechen wir von der schon erwähnten Gegenbewegung, die es benötigt, um wieder in Balance zu kommen. Heute schreibt der offizielle Umgang mit dem Virus die Vermeidung sozialer Kontakte, Rückzug und Distanz bis hin zur Quarantäne, vor. Dennoch ist es gerade in Zeiten von tiefer Erschütterung und Bedrohung wichtig, in Verbindung zu sein und sich in Gemeinschaft zu fühlen.

Die Isolation ist Vereinzelung und Schwächung des individuellen Systems. Deshalb ist ein bewusster Kontakt und die Gemeinschaft in Form von FreundInnen, Familie und Solidargemeinschaften besonders tragend und resilienzfördernd. Es ist selbstverständlich, diesen so herzustellen, dass wir nicht bedroht werden und selbst nicht bedrohen. Dazu gibt es eine Reihe von Regeln, die im Kontakt einzuhalten sind. Hier gilt es, einen (selbst) verantwortlichen Umgang zu finden (es gibt im öffentlichen Rahmen viele Informationen dazu).

Sich in Gemeinschaft zu fühlen, ist während und in Katastrophenzeiten besonders wichtig!

Aus traumasensibler Sicht wird die nährende und stabilisierende Seite von Kontakten und des Gemeinschaftsgefühls betont. Dieses herzustellen, kannst du auf kreative Weise tun. Die Technisierung der Welt kommt hier besonders zum Tragen! Neben den bewusst entschiedenen persönlichen Kontakten, kann mit FreundInnen per Skype zu Abend gegessen, online gespielt und zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten zum Beispiel gesungen werden. Regelmäßig einander Nachrichten per Handy verschicken und häufigere Telefonate führen verbindet auch ohne face to face.

Vielleicht sind an dieser Stelle sogar eingerichtete Gruppen auf dem Handy sinnvoll und hilfreich, um im nährenden gemeinsamen Kontakt zu bleiben. Eine gemeinsame Verabredung dabei könnte sein, eine „virenfreie“ Kommunikation zu tätigen oder nur zu bestimmten Zeiten das Corona-Thema zuzulassen ...
Regeln und Verabredungen helfen, Gemeinschaftsgefühle positiv zu gestalten und zu einem tragenden Bestandteil zu entwickeln.

Das tut gut!

Versorge dich gut mit Essen, Trinken, ausreichend tiefem Schlaf.
Bewege dich viel.
Beschäftige dich mit deinem äußeren und inneren „Sicheren Ort“.
Sprich nur begrenzt und mit Mehrwert über die (vermeintlichen) Fakten.
Sprich über deine eigenen Gedanken und Gefühle, das persönliche Erleben, die gefühlte Bedrohung/Belastung und deine Angst und Hilflosigkeit.
Beschäftige dich bewusst und begrenzte Zeit am Tag mit dem Thema, überlege, wie häufig du Nachrichten hörst/liest/siehst.
Bleibe bewusst mit deiner Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt, auch wenn das schwerfällt.
Orientiere dich immer wieder im Hier und Jetzt mit Coronafreien Dingen und Gedanken.
Bleibe regelmäßig in Kontakt mit dir wichtigen Menschen!
Gehe verantwortungsbewusst mit persönlichem Kontakt um, damit du nicht gefährdet wirst und nicht andere gefährdest.
Sei kreativ in der Form deiner Kontakte und nutze die Welt der Technik, um Miteinander zu leben, wenn es hilft, lasse dir von technikaffinen Menschen virtuelle Möglichkeiten erklären.

 

Drei kleine Übungen, die du stabilisierend (fast) jederzeit tun kannst:

Zwerchfell-Jogging
Bei Stress atmen wir häufig nur in der Brust- oder Kehlkopfatmung – und versorgen damit unseren Körper nicht gut mit Sauerstoff. Das Zwerchfell ist unser Stressmuskel, du kannst ihn mit tiefen Atmenzügen dehnen und aufpusten und danach die Luft so lange als möglich ausatmen, als ob du dein Zwerchfell auswringen möchtest.
Mache das regelmäßig drei Mal hintereinander.

Geräusche machen
Summen, Singen, Gurgeln und Prusten sind Übungen, die deinen ventralen Vagusnerv aktivieren!
Dieser Nerv ist zuständig für Beruhigung, soziales Miteinander und gute Kommunikation.

Füsse auf den Boden
Stelle deine beiden Füße immer wieder schulterbreit fest auf den Boden, deine Knie sind weich (nicht durchgedrückt), die Schultern gehen nach hinten und unten (die Schulterblätter nah zusammen, die Ohren weg von den Schultern).
Nimm wahr, wie dich der Boden (die Erde) trägt und du stabil stehst. In diesem Stand kann dich so schnell Nichts umwerfen.

Mein Wunsch für dich:
Bleibe in deinen Gedanken klar, sei mit der Erde verbunden
– und offen und herzlich für die Menschen und die Welt.

 

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BERUHIGUNGSÜBUNG MIT DEM VAGUSNERV

Wissen über Corona in leichter Sprache

Anne Leichtfuß stellt Informationen zu Corona in leichter Sprache zur Verfügung. Es gibt Linklisten und Materialsammlungen.

> hier zur Website

Anregungen vom Grundschulverband

Ungewöhnliche Folgen für Kinder und Eltern begleiten die rasante Ausbreitung des Corona Virus in Deutschland. Seit dem 16. März sind beinahe alle Schulen bis zum Ende der Osterferien geschlossen. Die Kinder müssen zu Hause betreut werden und sollen nach Möglichkeit – so wünschen es viele Eltern – auch zu Hause weiter lernen. Je nach Alter und Klassenstufe ihrer Kinder fragen Eltern, wie ihr Kind trotz des Unterrichtsausfalls nichts Wichtiges versäumt, wie sie ihre Kinder unterstützen können und was sie organisieren sollen. Der Grundschulverband will hier mit seinen Anregungen für Eltern und andere betreuende Erwachsene helfen, aus der ungewohnten Situation das Beste für ihre Kinder zu machen, ohne dass sie in die Lage geraten eine Ersatzlehrerfunktion zu übernehmen.

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Zum Umgang mit häuslicher Isolation

veröffentlicht vom Berufsverband Österreichischer PsychologInnen ...

> hier zum download
> zur Website

 

Systemisches Arbeiten in Zeiten von Corona

Die DGSF veröffentlicht auf ihrer Website für ihre Mitglieder viele Links.

> zur Website

 

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Ein Kinderlied zum Corona-Virus von "hurra Kinderlieder":

> hier ansehen und hören (youtube)

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Familien allein zu Haus

In der Zeitschrift "engagiert" zum Thema: Mit Kindern Krisen meistern. (Mit Erwähnung unseres Instituts!)

> hier zum Artikel

Zum traumasensiblen Umgang mit stressbelasteten SchülerInnen
(für LehrerInnen)

> hier herunterladen (PDF)
> hier zur Website Fachverband Traumapädagogik

Zur Situation von Kindern in der Pandemie

Interview im UNICEF-BLOG mit Prof. Dr. med. Jörg Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie der Universität Ulm
> hier zum Artikel

Online Seminar: Familien unter Druck

Das hsi veranstaltet ein Onlineseminar: Digitale Systemische Beratung in Zeiten von Corona und Quarantäne, Termin: 29./30. Juni 2020
> hier anmelden

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Der Beltz-Verlag stellt "Stärken-Boxen" zum Download zur Verfügung: Aktivieren Sie die Ressourcen und Stärken Ihrer Klient_innen und denken Sie auch an sich selbst. Diese E-Reader bietet zahlreiche Übungen und Arbeitsblätter. Sie können die Dateien Ihren Klient_innen zur Verfügung stellen. Wir verlinken direkt zum Verlag:
> hier herunterladen TherapeutInnen (PDF)
> hier für Alle (PDF)
> hier für Kinder und Jugendliche (PDF)

Eine neue Website des Mißbrauchsbeauftragten der Bundesregierung mit Informationen zu Hilfsangeboten und direkten Kontaktmöglichkeiten per Telefon, Mail oder Chat. Um die Aktion zum Beispiel auch bei der Bäckerin für alle die in der Schlange vorm Laden stehen öffentlich zu machen, können Plakate und Flyer als PDF heruntergeladen werden.

> hier Plakat mit Motiven für Erwachsene herunterladen (PDF)
> hier Plakat mit Motiven für Kinder herunterladen (PDF)
> hier Flyer mit Adressen herunterladen (PDF)
> hier zur Website

 

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Ein Bilderbuch vom kleinen Bären Ben in Corona-Zeiten.

Erzählt von Björn Enno Hermans, illustriert von Annette Walter

> hier herunterladen (PDF)
> hier zur Website

Corona-Krise verstehen. Eine Geschichte für Kindergartenkinder.

Erzählt von Ursula Leitl.
> hier herunterladen (PDF)

Coronavirus. Ein Buch für Kinder

Das Coronavirus hat auch den Alltag von Kindern durcheinandergewirbelt und vieles auf den Kopf gestellt. Doch was ist das neuartige Coronavirus eigentlich? Was passiert, wenn jemand an Covid19 erkrankt? Und wie kann ich mich und meine Familie vor einer Ansteckung schützen? Diese Fragen interessieren Kinder genauso wie Erwachsene. Der englische Verlag Nosy Crow hat zusammen mit Prof. Graham Medley von der London School of Hygiene & Tropical Medicine sowie Lehrer_innen und Kinderpsycholog_innen ein Informationsbuch für Kinder entwickelt, das genau diese Fragen beantwortet. In verständlichen Texten – und mit vielen Illustrationen von Axel Scheffler – erklärt es Kindern ab 5 Jahren alles rund um das Virus und seine Folgen.



> hier zur Website vom Verlag Beltz & Gelberg
(für den download des Buchs müssen Sie sich auf deren Website registrieren)

Malen, Basteln, Lesen mit Kindern

Der verlag modernes lernen verschenkt ein Buch mit Leseproben aus eigenen Veröffentlichungen.

> hier herunterladen (PDF)
> hier zum Verlag

Lilly und der komische Virus

Veröffentlicht auf der Website Schulpsychologie NRW.
Text von Jana Röhler-Schultz, Illustration von Noa Reuß

> hier herunterladen (PDF)

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Michael Bohne stellt auf seiner Website verschiedene Do-it-yourself Kartensets INNEN-LEBEN zum Download bereit. Sie bestehen aus INNEN-Karten und LEBEN-Karten, die kombiniert stärkende und klärende Sätze ergeben. Sie können sich einerseits durch diese Sätze mit konkreten Lösungsstrategien unterstützen lassen. Andererseits orientieren sich die Sätze an den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen nach Sicherheit, Autonomie, Beziehung und Selbstwertstärkung.

> hier das Kartenset für Alle herunterladen
> hier das Kartenset für Menschen in medizinischen Berufen herunterladen
> hier das Kartenset für UnternehmerInnen und Führungskräfte herunterladen
> hier zur Website von Michael Bohne

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Themenheft Traumapadägogik I
Themenheft Traumapadägogik II

Themenheft Traumapadägogik III

Birgit Lang / Claudia Schirmer / Thomas Lang / Ingeborg Andreae de Hair / Thomas Wahle / Jacob Bausum / Wilma Weiß / Marc Schmid (Hrsg.)

Hrsg: Institut Trauma und Pädagogik, Anne Steffen: Text und Illustrationen

Was geschieht bei Traumatisierung im Gehirn? Das ist die Grundfrage im Buch „der Schreck auf der Schaukel“, geschrieben und illustriert von Anne Steffen, Diplompädagogin mit langjähriger Erfahrung in der Sonderpädagogik. Das Fachbuch für Kinder entstand mit der Motivation, auf kindgerechte, freundliche und auf ehrliche Weise verstehbare Antworten darauf zu geben.

Hrsg.: Die Kinderschutz-Zentren

Der Band „Traumatisierte Kinder und Jugendliche – Hilfe und Stabilisierung durch die Jugendhilfe.“ versammelt namhafte Vertreter(innen) aus Wissenschaft und Praxis, beleuchtet Hintergründe und zeigt Handlungsmöglichkeiten auf.

Die Beiträge beschäftigen sich mit folgenden Fragen: Welche Auswirkungen haben traumatische Erlebniss auf die Entwicklung und das Verhalten von betroffenen Kindern und Jugendlichen? Was müssen Eltern und PädagogInnen wissen, um die Verhaltensweisen von traumatisierten Jugendlichen besser zu verstehen? Wie kann der Alltag der Kinder sicher und vorhersehbar gestaltet werden? Wie können Eltern und PädagogInnen mit den eigenen Belastungen im Kontakt mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen umgehen?

Das Buch ist über den Buch-Shop der Kinderschutz-Zentren zum Preis von 14,95 Euro zzgl. Versand bestellbar.

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von Wilma Weiss

Philipp sucht sein Ich Zum Inhalt: Der vorliegende Band bietet PädagogInnen das für die Arbeit mit traumatisierten Mädchen und Jungen notwendige Wissen. Ergänzend stellt die AutorWilma Weissin die neue Fachdisziplin Traumapädagogik vor und beschreibt das schwierige Verhältnis von Pädagogik und Therapie aus der Sicht einer Pädagogin.

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Am Beispiel familienähnlich untergebrachter traumatisierter Kinder und Jugendlicher beschreibt dieser Beitrag die sekundäre Traumatisierung und Mitgefühlserschoepfung für MitarbeiterInnen in der Jugendhilfe. Das Wissen um die Thematik und wie Menschen damit umgehen koennen, ist der beste Schutz sekundärer Traumatisierung erfolgreich entgegen zu wirken. In diesem Sinne möge der Artikel die LeserInnen für das Thema sensibilisieren und als praeventiver Beitrag zum Umgang mit sekundärer Traumatisierung und Mitgefühlserschöpfung verstanden werden.

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Basiswissen für Therapie, Beratung und Pädagogik

Handbuch Traumakompetenz

Zum Inhalt: Dies ist ein Buch für die Praxis der Arbeit mit traumatisierten Menschen. Es ist ein Buch für all jene, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen dabei helfen wollen, sich in der Vielfalt der Alltagsanforderungen zurechtzufinden und stabil zu werden für einen Umgang mit den erlittenen Verletzungen. Ein Buch für Menschen, die neugierig sind auf die Stärken, die im Überleben entstehen und die unterschiedlichsten Arten von Kraft, die sich in den ganz eigenen Formen von Weiterleben zeigen. Im theoretischen Teil des Buches werden Erkenntnisse aus Traumatheorie, Entwicklungspsychologie und Neurowissenschaften leicht verständlich zusammengefasst. Im umfangreichen Übungsteil geht es um die Orientierung im Hier und Jetzt, die Einordnung des Erlebten und die Ausweitung des Ressourcenbereichs. Dazu dienen u.a. Ressourcenbarometer, Zeitlinie und Innere-Kind-Arbeit. Jede Übung ist nach einem übersichtlichen und durchgängigen Schema strukturiert.

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Wilma Weiss | Esther Kamal Friedrich | Eva Picard | Ulrike Ding

Als wär ich ein Geist der auf mich runterschaut Zum Inhalt: In Erziehungs- und Bildungseinrichtungen leben Mädchen und Jungen, die mithilfe dissoziativer Strategien traumatische Erfahrungen überlebt haben. Das Nichterkennen dissoziativer Strategien führt heute zu einer Spirale der dissoziativen Nichtreaktion. PädagogInnen brauchen Kompetenzen, um dies zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Das nötige Fachwissen wird von E. K. Friedrich zur Verfügung gestellt. Ergänzend beschreibt sie Möglichkeiten der Diagnostik. E. Picard beantwortet mithilfe von Interviews mit Betroffenen die Frage, welches Verhalten von professionellen Bezugspersonen genutzt hat. W. Weiß stellt traumapädagogische Handlungsmöglichkeiten vor und U. Ding beschreibt einen Weg, in der Schule. Soziale Teilhabechancen zu ermöglichen.

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Eine Praxis- und Orientierungshilfe der BAG Traumapädagogik

Traumapaedagogische Standards in der stationären Kinder- und Jugendhilfe

Zum Inhalt: Die BAG Traumapädagogik legt mit diesem Buch Standards für traumapädagogische Konzepte in der stationären Kinder- und Jugendhilfe vor. Diese umfassen sowohl Orientierungshilfen für die gezielte Förderung und Unterstützung der Kinder, Jugendlichen, Eltern und der PädagogInnen als auch Hinweise für die institutionelle Rahmengestaltung und die interdisziplinäre Vernetzung mit Kooperationspartnern.

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Fachgremium für komplex traumatisierte Kinder und Jugendliche in den Kreisen Euskirchen und Düren

Das Fachgremium wurde 2011 gegründet, es hat sich das Ziel gesetzt, komplex traumatisierte Kinder und Jugendliche und die begleitenden Fachkräfte in den Kreisen Euskirchen und Düren zu unterstützen. Dies geschieht in erster Linie durch Netzwerkarbeit unter den Fachdisziplinen im Fachgremium.

Unsere Aufgaben

  • Beratung von Fachkräften und Einrichtungen zu traumazentrierten und traumapädagogischen Fragen.
  • Traumapädagogische Standards in der Fachöffentlichkeit für unterschiedliche Professionen bekannt machen und installieren.
  • Erarbeitung von Standards für Besuchskontakte von komplex traumatisierten Kindern und Jugendlichen zu ihrem Herkunftssystem bei Fremdunterbringung.
  • Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung der Gesellschaft für die besonderen Bedürfnisse komplex traumatisierter Kinder und Jugendlicher.

Mitglieder des Gremiums

Sarah Eichhorst
Diplom Pädagogin
Bereichsleiterin LVR Jugendhilfe Rheinland, Euskirchen
Traumapädagogin/traumazentrierte Fachberaterin (DeGPT/BAG)
Systemische Therapeutin i.A. (SG, IF Weinheim)

Hilde Fettweiss-Verbeek
Sek-I-Lehrerin
Moderatorin im Kompetenzteam Rhein-Erft/Euskirchen,
Themenschwerpunkt Beratung in der Schulentwicklung
Inklusionskoordinatorin für das Schulamt des Kreises Euskirchen

Martina Flecken
Diplom-Psychologin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (TP)
weitere Ausbildungen in personenzentrierter Spieltherapie sowie traumatherapeutischen Verfahren (EMDR, PITT)
seit 13 Jahren niedergelassen in eigener Praxis in Vettweiß-Kelz (Kreis Düren)

Hedi Gies
Diplom Sozialpädagogin (FH)
Traumafachberaterin, Supervisorin (DGSv), Systemische Beraterin und Systemische Familientherapeutin (SG)
Leiterin des Instituts Trauma und Pädagogik, Mechernich

Susanne Heiter
Diplom Pädagogin
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (TP)
Ausbildungen in personenzentrierter Spieltherapie und traumatherapeutischen Verfahren: EMDR und PITT
seit 15 Jahren in eigener Praxis tätig zunächst in Gerolstein, seit 2006 in Euskirchen

Anne Keßeler
Diplom Sozialarbeiterin
Traumapädagogin/Traumazentrierte Fachberatung DeGPT/BAG Traumapädagogik
Systemische Kinderspieltherapeutin
Weiterbildung in systemischer Familientherapie
Seit 15 Jahren tätig beim Deutschen Kinderschutzbund KV Euskirchen e.V. als Koordinatorin für den Bereich Vollzeitpflegefamilien.
Schwerpunkte: Schulung und Fortbildung für Pflegeeltern, Begleitung und Beratung der Bereitschaftspflegefamilien und Vollzeitpflegefamilien, Unterbringung in Pflegefamilien, Kriseninterventionen

Thomas Klütsch
Diplom Sozialpädagoge
Systemischer Therapeut (SG)
Traumapädagoge / Traumazentrierter Fachberater
Einrichtungsleiter LVR Jugendhilfe Rheinland, Euskirchen

Christiane Schmachtenberg
Diplom-Psychologin
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Psychotherapeutin mit Ausbildung in tiefenpsychologisch orientierter Psychotherapie und systemischer Familientherapie Seit 15 Jahren tätig in eigener Praxis in Düren im Rahmen einer sozialpsychiatrischen Praxisgemeinschaft